Schlösser und Burgen zwischen Saale, Unstrut und Elster – Meine fünf Tipps von Freyburg bis Zeitz

Und da sind wir wieder mit einem neuen Bericht. Diesmal waren wir für zwei Tage unterwegs zwischen Saale und Elster.

Warum? Der Landstrich ist nicht nur als Weinanbaugebiet weithin bekannt, sondern hat (bekannter- oder vielleicht auch unbekannterweise) auch eine erstaunliche Fülle an Schlössern und Burgen zu bieten, die das Ziel unserer Reise waren.

In diesem Beitrag berichten wir von fünf Stationen auf dem Weg entlang der Flüsse Saale, Unstrut und Elster. Die Reise begann in Freyburg/Unstrut und endete in Zeitz an der Weissen Elster.

Und bevor es losgeht noch ein kleiner Hinweis: In einem anderen Beitrag in diesem Blog hatte ich bereits über ein weiteres Schloss an der Unstrut berichtet: Schloss Burgscheidungen. Wer auch das erkunden möchte, sollte hier vorbeischauen.

 

1. Station: Freyburg und Schloss Neuenburg

Der Besuch in Freyburg begann mit einem Rundgang durch die schöne Alstadt mit dem Marktplatz und der Marienkirche.

Und dann ging es auch schon weiter nach Schloss Neuenburg, das hoch über Freyburg schon von Weitem gut sichtbar ist.

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Hoch über der Stadt Freyburg thront das Schloss Neuenburg: Ansicht aus Richtung Naumburg

Die Burg der Landgrafen von Thüringen und später der Herzöge von Sachsen-Weißenfels hat einiges zu bieten und ist einen Besuch allemal wert. Höhepunkte des Besuchs sind die Doppelkapelle mit einem Ober- und Untergeschoss sowie der Fürstensaal.

Die Doppelkapelle ermöglichte den Mitgliedern der landgräflichen Familie im Obergeschoss der Messe beizuwohnen, ohne den Raum mit anderen Menschen, die im Untergeschoss versammelt waren, teilen zu müssen. Über eine zu öffnende Luke wurde die Messe ins Obergeschoss sozusagen „übertragen“.

Der Fürstensaal diente den Herzögen von Sachsen-Weißenfels als Speisesaal. Dass der Raum in seiner alten Schönheit bis heute erhalten ist, verdanken wir u.a. dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV., denn in Vorbereitung eines Manövers, bei dem der König 1853 auf der Burg Quartier nahm, wurde der Saal restauriert. Eine weitere umfassende Restaurierung fand nach der langen Schließung während der DDR-Zeit zwischen 1996/97 statt.

Die Neuenburg ist aber auch mit der Heiligen Elisabeth von Thüringen verbunden, die hier zeitweilig wohnte. Die Landgräfin entsagte am Ende ihres kurzen Lebens allem weltlichen Wohlstand, um in Armut den Kranken dieser Welt zu dienen.

Mehr Informationen zu Schloss Neuenburg findest du hier.

 

 

2. Station: Großjena und das Steinerne Album

Unsere nächste Station ist Großjena. In der Nähe, im sog. Blütengrund, befindet sich ein in Deutschland einzigartiges Denkmal: das barocke Felsrelief Steinernes Album.

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Das steinerne Album bei Großjena

Die Idee zu diesem Felsrelief kam vom Naumburger Juwelier Johann Christian Steinauer. Er wollte aus Anlass des zehnjährigen Thronjubiläums von Herzog Christian II. von Sachsen-Weißenfels am 17. März 1722 dem Fürsten und dem Weinanbau ein Denkmal setzen.

Dafür sammelte Steinauer Geld und ließ auf einer Länge von 150 Metern insgesamt zwölf Bildtafeln in den Stein hauen, die sich auf den Herzog, biblische Themen, den Wein und dessen Genuss sowie die Jagd beziehen. Dank des Engagements der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind die Reliefs heute in einem guten Zustand.

Oberhalb des Felsreliefs und dem Weinberg liegt übrigens das Landhaus des Bildhauers Max Klinger. Das restaurierte Haus ist heute eine Außenstelle des Museums Naumburg.

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Das „Steinerne Album“ von Großjena

 

3. Station: Die Rudelsburg und die Denkmäler der Corpsstudenten

Die Rudelsburg

„An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn, ihre Dächer sind verfallen und der Wind streicht durch die Hallen …“.

Mit diesen Worten beschrieb der aus Stettin stammende Student Franz Kugler 1826 in einem Wanderlied die Burgenromantik an der Saale.

Die Rudelsburg, die in direkter Nachbarschaft zur Burg Saaleck steht, zählt zu den schönsten aller Saaleburgen. Im 19. Jahrhundert entwickelte sie sich schon bald zum Treffpunkt vieler Studenten aus Halle, Leipzig oder Jena, die im Saaletal gerne auf Wanderschaft  waren. Zur Popularität trug auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. bei, der die Burg 1853 besuchte. Und 1848 gründeten die studentischen Corps ihren Dachverband, den Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), auf der Rudelsburg.

Aber auch heute noch ist die Burg ein beliebtes Ausflugsziel mit einer sehr guten Restauration (die erste Gastwirtschaft wurde übrigens 1824 hier eingerichtet) und so ließen auch wir es uns nicht nehmen, dort vorbeizuschauen.

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Ausblick vom Burghof der Rudelsburg in das Saaletal

 

Die Denkmäler der Corpsstudenten

Auf dem Weg zur Rudelsburg kommt man an verschiedenen Denkmälern vorbei, die von Corpsstudenten errichtet wurden. Das älteste ist das 1872 eingeweihte Denkmal des KSCV in Erinnerung an die im deutsch-französischen Krieg 1870/71 gefallenen Studenten.

Unweit dieses Denkmals befindet sich ein weiteres, das einen jungen Mann, den späteren Reichskanzler Bismarck, als lässig sitzenden und leicht arrogant dreinschauenden Corpsstudenten vor einer seiner Mensuren darstellt.

Das laszive Motiv des noch zu Lebzeiten Bismarcks 1896 eingeweihten Denkmals erregte die Gemüter der Zeitgenossen sehr. Aber der Reichskanzler selbst soll die Idee höchstpersönlich mit den Worten „Solch ein Denkmal hat noch kein Mensch gehabt und wird so leicht auch keiner mehr bekommen“ gebilligt haben, wie eine Informationstafel berichtet.

In der DDR-Zeit verschwand das Denkmal zwischen 1951 und 1953 aus ideologischen Gründen selbstredend. Nach der Wende konnte das Bronzedenkmal durch namhafte Spenden neu gegossen und 2006 wieder aufgestellt werden.

Das letzte Denkmal der Corpsstudenten ist der Pfingsten 1890 geweihte Obelisk zum Andenken an den 1888 gestorbenen Kaiser Wilhelm I. Das Denkmal gehört damit zu den ersten, die in Deutschland für den Kaiser aufgestellt wurden. Auch darüber berichtet eine Informationstafel vor Ort.

 

 

4. Station: Die Dornburger Schlösser

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Das von Rosen umbegebene Rokokoschloss im Dornburger Schlösserensemble

Für diese Station haben wir einen Abstecher nach Thüringen gemacht, der sich gelohnt hat. Denn am Dornburger Schlösserensemble war die Rosenblüte gerade in vollem Gang. Einfach nur schön!

Diese drei Schlösser bilden das Ensemble von Dornburg: das Alte Schloss, das Rokokoschloss und das Renaissanceschloss. Im Alten Schloss wurden unter den Kaisern Otto I. und Heinrich II. Reichstage abgehalten. Heute ist dort eine Tagung- und Begegnungsstätte der Universität Jena.

Das 1747 errichtete Rokokoschloss diente zunächst Goethe als Dienstsitz für Aufenthalte im Amt Dornburg. Danach wurde es unter Großherzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach als Sommerresidenz ausgebaut. Zugleich erfolgte die Anlegung einer bequemen Fahrstraße, die die Anfahrt erheblich erleichterte und den herzoglichen Hof jedes Jahr ins Schloss lockte.

Das Renaissanceschloss ist auch als Stohmann’sches Schlösschen oder Goethe-Schloss bekannt. Nach dem Tod von Großherzog Carl August zog Goethe sich hierhin zurück. Aus dieser Zeit stammen auch die Dornburger Gedichte.

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Die Dornburger Schlösser liegen hoch über der Saale

 

5. Station: Die Moritzburg an der Elster in Zeitz

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Schloss Moritzburg an der Elster in Zeitz

Die nächste Station lag in Zeitz: Schloss Moritzburg an der Elster. Seine Entstehung haben wir sozusagen dem Tod des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. 1656 zu verdanken. Er verfügte in seinem Testament, dass nicht nur der älteste Sohn in der Herrschaft nachfolgen sollte, sondern stattete auch die jüngeren Brüder mit jeweils eigenen Herrschaftsbereichen aus. Die sächsischen Sekundogeniturfürstentümer, also offizielle Nebenlinien, entstanden. Diese waren Sachsen-Weißenfels, Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz.

Die Nebenlinie in Zeitz hatte nur 61 Jahre Bestand. Sie begann 1657 mit der Herrschaft von Herzog Moritz und endete 1718  mit dem Tod von Herzog Moritz Wilhelm.

Die Grundsteinlegung von Schloss Moritzburg an der Elster, das an der Stelle einer im Dreißigjährigen Krieg zerstörten bischöflichen Burg entstand, erfolgte 1657. 1678 war das Schloss mit sämtlichen Außenanlagen fertig.

Von der Originalausstattung ist heute nur noch wenig erhalten, denn mit dem Auslöschen der Zeitzer Nebenlinie ging ein Großteil des Mobiliars nach Dresden. Danach wurde das Gebäude als Verwaltungssitz und später als Korrektionsanstalt genutzt.

Ein Besuch lohnt sich dennoch, denn in den ehemaligen herzoglichen Räumen kann Dank der Aufstellung originaler Möbel aus der Zeit die damalige Wohnkultur nachempfunden werden. Zudem sind einige Decken und Kamine in Original erhalte bzw. wurden restauriert.

Es gibt im Schloss auch eine Kinderwagenausstellung, die an die traditionsreiche Herstellung von Kinderwagen in Zeitz erinnert.

 

 

Off-Tour: Wangen und die Arche Nebra

Unterwegs zwischen Saale und Elster
Das Informationszentrum „Arche Nebra“ in Wangen bei Nebra

Der Besuch der Arche Nebra war sozusagen off-Tour, da wir bereits zu einem früheren Zeitpunkt dort waren. Da das Informationszentrum jedoch auch an der Unstrut liegt, passt es thematisch gut in diesen Bericht.

Auf dem Mittelberg wurde 1999 die inzwischen weltweit bekannte Himmelsscheibe von Nebra gefunden, eine 3600 Jahre alte astronomische Himmelsdarstellung. Die Himmelsscheibe selber befindet sich aber im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale.

Mehr Informationen zur Arche Nebra und zur Himmelsscheibe findest du hier.

 

Unterwegs zwischen Saale und Elster: das waren unsere Stationen. Es gibt natürlich noch jede Menge mehr zu entdecken, aber man kann ja nicht alles auf einmal sehen.

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