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Nach jahrelanger Restaurierung ist Schloss Ludwigslust wieder vollständig erlebbar. Mit der Wiedereröffnung des Westflügels und des prachtvollen Goldenen Saals können Besucher erstmals seit vielen Jahren wieder durch weite Teile der historischen Schlossanlage wandeln. Besonders sehenswert sind die restaurierten fürstlichen Appartements, die farbenprächtigen historischen Wandgestaltungen und der außergewöhnliche Goldene Saal mit seinem vergoldeten Dekor aus Papiermaché.
Wer Schloss Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern bereits früher besucht hat, hat lange auf diesen Moment gewartet: Der aufwendig restaurierte Westflügel von Schloss Ludwigslust ist wieder für Besucher zugänglich. Gleichzeitig kann auch der Goldene Saal, das prachtvolle Herzstück des Schlosses, wieder besichtigt werden.
Für mich war die Wiedereröffnung ein guter Anlass, nach Ludwigslust zurückzukehren. Und tatsächlich verändert der neu zugängliche Westflügel den Eindruck des Schlosses erheblich. Denn neben der repräsentativen Seite des Hoflebens rücken nun auch die persönlicheren Wohnwelten seiner Bewohnerinnen und Bewohner stärker in den Mittelpunkt.
Der Westflügel von Schloss Ludwigslust: 25 restaurierte Räume
Mit der Wiedereröffnung des Westflügels sind 25 Räume auf drei Etagen neu bzw. wieder zugänglich. Insgesamt erweitert sich die Ausstellungsfläche um mehr als 1.000 Quadratmeter.
Was mich bei meinem Besuch besonders beeindruckt hat, ist die enorme Vielfalt der Räume. Fast jedes Zimmer besitzt eine eigene Farbwelt. Kräftiges Blau und Türkis wechseln sich mit Gelb, floralen Mustern und klassizistischen Ornamenten ab. Historische Möbel, Gemälde, Kronleuchter und aufwendig rekonstruierte oder restaurierte Wandbespannungen lassen die einstigen Appartements wieder als zusammenhängende Raumfolgen erleben.
Gerade diese Farbigkeit macht den Westflügel auch visuell außergewöhnlich. Während viele historische Schlossräume heute eher zurückhaltend präsentiert werden, bekommt man hier einen Eindruck davon, wie intensiv Farben und Textilien die Atmosphäre eines höfischen Interieurs prägen konnten.
Die Pappfiguren – höfische Gesellschaft aus Papier
Eine besondere Ludwigsluster Spezialität begegnet Besuchern im Westflügel auch in Form lebensgroßer Papp- oder Brettfiguren aus dem 18. Jahrhundert. Die bemalten Figuren entstanden im Umfeld der berühmten Ludwigsluster Carton-Fabrique und zeigen Mitglieder beziehungsweise Bedienstete der höfischen Gesellschaft in überraschend lebensnaher Erscheinung. Frei im Raum aufgestellt, wirken sie aus der Entfernung beinahe wie echte Personen und vermitteln heute auf ungewöhnliche Weise eine Vorstellung davon, wie belebt die Schlossräume einst gewesen sein müssen. Zugleich passen sie perfekt zur Geschichte Ludwigslusts: Wie der berühmte Dekor des Goldenen Saals zeigen auch sie, welche erstaunlichen künstlerischen Möglichkeiten man im 18. Jahrhundert in einem vermeintlich einfachen Material wie Papier und Pappe entdeckte.




Die Frauen am Hof von Ludwigslust im Mittelpunkt
Ein besonderer Schwerpunkt der neuen Dauerausstellung liegt auf den Frauen am mecklenburgischen Hof. Damit erzählt der Westflügel eine andere Geschichte als die klassischen Repräsentationsräume eines Schlosses.
Im Mittelpunkt stehen Fürstinnen und Prinzessinnen und ihre Lebenswelten. Zu den Höhepunkten des Westflügels gehört das Appartement von Prinzessin Alexandrine von Preußen, einer Tochter der preußischen Königin Luise, die 1822 den späteren Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin heiratete.
Besonders bemerkenswert ist ihr historisches Bett. Teile der ursprünglichen Ausstattung hatten die Zeiten überdauert und konnten wieder in den räumlichen Zusammenhang des Appartements zurückgeführt werden. Zusammen mit den rekonstruierten historischen Wandgestaltungen vermittelt die Raumfolge heute wieder eine Vorstellung von der ursprünglichen Atmosphäre.
Auch die Verbindungen des mecklenburgischen Hofes zu anderen europäischen Dynastien werden in der Ausstellung sichtbar. Ein herausragendes Beispiel ist das kostbare Kaffee- und Teeservice der russischen Großfürstin Helena Pawlowna, das zu ihrem Brautschatz gehörte.
So wird im Westflügel deutlich, dass Ludwigslust trotz seiner vergleichsweise kleinen Residenz in ein weitgespanntes Netzwerk europäischer Fürstenhäuser eingebunden war.








Der Goldene Saal von Schloss Ludwigslust
Der unbestrittene Höhepunkt eines Besuchs ist für mich jedoch der Goldene Saal.
Schon seine Dimensionen sind beeindruckend. Hohe Säulen gliedern den zweigeschossigen Raum, mächtige Kristalllüster hängen von der reich dekorierten Decke, und nahezu überall begegnet dem Besucher vergoldeter ornamentaler Schmuck.
Doch der eigentliche Luxus des Goldenen Saals beruht auf einem überraschend bescheidenen Material: Papier.
Ein erheblicher Teil der aufwendig vergoldeten Dekoration besteht aus Papiermaché. Was auf den ersten Blick wie schwerer Stuck oder geschnitztes Holz erscheint, ist tatsächlich ein Produkt jener besonderen Ludwigsluster Tradition, die Papier in ein erstaunlich vielseitiges Material für höfische Raumausstattungen verwandelte.
Gerade dieser Kontrast macht den Saal so faszinierend. Aus einem alltäglichen und vergleichsweise preiswerten Material entstand ein Raum von überwältigender Pracht.






Die Ludwigsluster Carton-Fabrique und das „Ludwigsluster Carton“
Die Verwendung von Papiermaché ist kein Zufall. Ludwigslust war im 18. Jahrhundert für die Herstellung des sogenannten Ludwigsluster Cartons bekannt.
In der herzoglichen Carton-Fabrique entstanden aus Papiermasse plastische Ornamente, die anschließend bemalt, vergoldet und zur Dekoration von Innenräumen verwendet werden konnten. Auf diese Weise ließen sich aufwendige Formen vergleichsweise leicht herstellen und vervielfältigen.
Im Goldenen Saal erreicht diese Technik einen ihrer eindrucksvollsten Höhepunkte. Girlanden, Ranken, Masken und andere dekorative Elemente verbinden sich mit der Architektur zu einem Gesamtbild, bei dem kaum zu erkennen ist, welches Material sich tatsächlich hinter der goldenen Oberfläche verbirgt.
Die Restaurierung dieses fragilen Dekors stellte entsprechend hohe Anforderungen an die Restauratoren. Papier reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanische Belastungen. Die Erhaltung der historischen Oberflächen und Vergoldungen gehörte deshalb zu den anspruchsvollsten Aufgaben bei der Restaurierung des Schlosses.
Ein Schloss zwischen Barock und Klassizismus
Schloss Ludwigslust entstand im 18. Jahrhundert als Mittelpunkt der Residenz der Herzöge von Mecklenburg-Schwerin. Die planmäßig angelegte Residenzstadt mit Schloss, Hofkirche und weitläufigem Schlosspark wird nicht ohne Grund gelegentlich als das „Versailles des Nordens“ bezeichnet.
Architektonisch und in seiner Ausstattung befindet sich das Schloss an einem spannenden Übergang. Barocke Vorstellungen höfischer Repräsentation treffen auf die zunehmend klareren Formen des Klassizismus.
Besonders in den Innenräumen des Westflügels lässt sich nachvollziehen, wie sich Geschmack und Wohnkultur im Laufe der Jahrzehnte veränderten. Die Räume sind deshalb nicht nur wegen einzelner Kunstwerke interessant. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet sich im Zusammenspiel von Architektur, Wandgestaltung, Möbeln und Kunst.




Ein persönlicher Eindruck von der Wiedereröffnung
Nach der langen Restaurierungsphase ist es besonders erfreulich, Schloss Ludwigslust wieder in dieser Geschlossenheit erleben zu können.
Für mich waren es neben dem Goldenen Saal vor allem die unterschiedlichen Farbwelten der Appartements, die in Erinnerung geblieben sind. Die Räume wirken weniger wie eine Abfolge musealer Ausstellungsflächen als vielmehr wie individuelle Wohnwelten mit jeweils eigener Atmosphäre.
Ein kleiner Wermutstropfen bei meinem Besuch war die Bestuhlung des Goldenen Saals. Kurz zuvor hatte dort eine Festveranstaltung stattgefunden, sodass die zahlreichen modernen Stühle noch nicht entfernt worden waren. Fotografisch war das natürlich nicht ganz ideal. Die monumentale Architektur des Saals und die frisch restaurierten Details konnten diesen Eindruck allerdings schnell in den Hintergrund treten lassen.
Und vielleicht zeigt die Bestuhlung auch eine andere Seite dieses historischen Raumes: Der Goldene Saal ist nicht nur ein museales Denkmal, sondern wird bis heute für besondere Veranstaltungen genutzt.
Lohnt sich ein Besuch von Schloss Ludwigslust?
Vor allem nach der Wiedereröffnung des Westflügels kann ich diese Frage eindeutig mit Ja beantworten.
Wer sich für historische Schlossinterieurs, höfische Wohnkultur und Restaurierung interessiert, findet in Ludwigslust heute deutlich mehr zu entdecken als noch vor einigen Jahren. Besonders die Kombination aus den farbenprächtigen Appartements des Westflügels und dem monumentalen Goldenen Saal macht den Besuch lohnenswert.
Mein persönlicher Tipp: Nehmt euch Zeit für die Details. Gerade in Ludwigslust lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn manches, was auf den ersten Blick wie kostbar geschnitztes und vergoldetes Holz erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als etwas völlig anderes.
Manchmal entstehen die kostbarsten Schlossinterieurs eben aus den unerwartetsten Materialien.
Hier geht es zu einem früheren Beitrag zu Schloss Ludwigslust mit dem Schwerpunkt auf den Ostflügel.
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