In diesem Blogbeitrag nehme ich euch mit auf einen Rundgang durch das Schloss Friedenstein Gotha im schönen Thüringen. Es gab bei dem fast vierstündigen Besuch sehr viel zu entdecken. Und das obgleich nicht alle Schlossbereiche bei meinem Besuch zugänglich waren, denn der Westflügel war wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten geschlossen (Stand Dezember 2021).
In sieben Stationen zeige ich euch jetzt einige Höhepunkte in einem wirklich einzigartigen Ensemble barocker Raumkunst, das Teil des Barocken Universums Gotha ist. Ein Ensemble, das der Kunsthistoriker Udo von Alvensleben zu „Deutschlands imposanten Fürstenschlössern“ zählte.

1. Audienzzimmer

Erste Station des Rundgangs ist das Audienzzimmer von Herzog Friedrich I. Sein von einem Lorbeerkranz umgebenes Initial könnt ihr auf der Decke sehen. Entsprechend seiner Bedeutung ist das Audienzzimmer der am prachtvollsten ausgestattete Raum im Apartment des Herzogs. Über dem Kamin thront – umgeben von Trophäen – die Siegesgöttin Nike als Zeichen der militärischen Tatkraft des Herzogs. Die überaus reiche Stuckierung im Raum stammt von Giovanni Garovi (in Deutschland als Caroveri bekannt) aus dem Jahre 1683.

2. Großes Kabinett

Im Großen Kabinett, meiner zweiten Station, hielt Herzog Friedrich I. die täglichen Versammlungen der Hofgesellschaft ab. Der Raum wurde aber auch für Privataudienzen und politische Gespräche mit gleichrangigen Gästen genutzt. In der Stuckdecke ist neben Kriegstrophäen, Posaunen, Füllhörnern und Putten auch das herzoglich-sächsische Wappen mit Paaren antiker Gottheiten zu sehen. Ein Hinweis auf den offiziell-politischen Charakter des Raums.
An den Wänden mit der sog. Linkrusta-Tapete (einem dem Linoleum ähnlichen Material, das an barocke Ledertapeten erinnert) hängen ovale Ahnenporträts. Wenn ihr euch das erste Bild mit dem Wandteppich genauer anschaut, könnt ihr vielleicht einen Elefanten erkennen. Das ist eine Reminiszenz an die Verleihung des Königlich Dänischen Elefantenordens 1678 an Herzog Friedrich I. Eine große Würde für Gotha, denn eine höhere Auszeichnung gab es in Europa damals nicht.

3. Schlafzimmer

Das Schlafzimmer nutzte das herzogliche Paar gemeinsam, was ungewöhnlich für die damalige Zeit war. Man kann es wohl getrost als besondere Zuneigung des Paares deuten. Auffällig im Raum ist der von Giovanni Caroveri aufwändig stuckerte Kamin. Ein üppiger Lorbeerkranz und Putten umgeben das Bild über dem Kamin. Von den Seiten hängen Fruchtfestons herab.
Im Alkoven stand ein heute nicht mehr erhaltenes Baldachinbett, das einst das teuerste und aufwändigste Möbel im ganzen Schloss war. An der Decke im Alkoven seht ihr auf einem der Bilder Venus und Amor. Die Figuren verweisen auf die Funktion des Raumes als Schlafzimmer.

4. Tafelzimmer

Auf den folgenden Bildern seht ihr das Tafelzimmer von Schloss Friedenstein Gotha, der Höhepunkt im Nordflügel. Die Bezeichnung ist jedoch etwas untertrieben, denn das „Zimmer“ ist riesig und eigentlich ein Festsaal. Die hochbarocke, reiche Stuckierung stammt wiederum von Giovanni Caroveri. Hermen-Pfeiler scheinen die Decke zu tragen. Porträts in den Fenstergewänden zeigen wichtige Persönlichkeiten der sächsischen Geschichte, angefangen vom Sachsenherzog Widukind bis hin zu Herzog Friedrich I., dem Erbauer des Saals.
An den Stirnseiten befinden sich Nischen, die von Statuen flankiert werden. Sie sind Allegorien auf die vier Jahreszeiten. Verschiedene Wappen, die über den ganzen Raum verteilt sind, verweisen auf die Besitzungen der Herzöge. In der westlichen Nische steht ein Schanktisch mit dem Tafelsiber. Aufgrund seiner Größe war es jedoch nicht für den Gebrauch bestimmt, sondern diente einzig der Repräsentation bei Empfängen oder Hochzeiten, wenn hier gespeist wurde. Ich war ob dieser barocken Opulenz schwer beeindruckt. Udo von Alvensleben sieht den Festsaal mit dem Riesensaal in Coburg verwandt.

5. Schreib- und Betkabinett

Im herzoglichen Schreib- und Betkabinett, das eigentlich als Schlafzimmer konzipiert war, steht ein Altarkreuz mit Elfenbeinschnitzerei im Alkoven. Die Arbeit aus Süddeutschland weist auf die Verwendung des Raumes zur privaten Andacht hin. Aber erst unter Herzog Friedrich II.! Denn unter seinem Vorgänger Friedrich I. wurde der Alkoven als Laboratorium genutzt. Richtig gelesen! Der Herzog betete dort nicht sondern betrieb Alchemie. Von den Experimenten erhoffte er sich, Metalle in Gold verwandeln zu können. Das Militär und repräsentative Bautätigkeiten verschlangen viel Geld zu seiner Zeit. Eine Aufbesserung der Staatskasse war also dringend nötig.

6. Retirade und Porzellankabinett

Der Weg vom gemeinsamen Schlafzimmer zur Retirade der Herzogin führt an einem Zimmer vorbei, das die Herzogin für Audienzen nutzte. Von diesem Raum habe ich keine Bilder gemacht, denn im Zuge der Sanierung des Friedensteins wird die Decke gerade aus statischen Gründen mit Holzbalken abgestützt und ist daher nur bedingt fotogen (Stand Dezember 2021).
Die Retirade (frz. retirer = sich zurückziehen) entspricht in ihrer Funktion dem Großen Kabinett des Herzogs. Die Herzogin Luise Dorothea empfing hier Gäste für private Audienzen oder nutzte den Raum als Rückzugsort.
Und wie es sich für ein barockes Schloss gehört, befindet sich auch im Schloss Friedenstein ein Porzellankabinett, das zugleich den Abschluss der Räume der Herzogin bildet. In Vitrinen sind verschiedene Porzellane ausgestellt, die laut Museumsführer sowohl aus chinesischer Produktion als auch aus der Meissener Porzellanmanufaktur stammen. Ob hier auch Porzellane aus der qualitätsvollen Gothaer Manufaktur ausgestellt sind, entzieht sich meiner Kenntnis.

7. Eckhof-Theater

Das Ekhof-Theater im Schloss Friedenstein Gotha ist eines der ältesten erhaltenen barocken Theater in Deutschland. Es entstand unter Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg zwischen 1681 und 1683. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit, denn auch die historische Bühnentechnik ist im Original erhalten. Sie erlaubt einen Wechsel des Bühnenbildes in Sekunden, und das bis heute. Dazu kommen Maschinerien, die Wind oder Donner erzeugen können. Das garantiert eindrucksvolle Inszenierungen.
Das Theater wird bis heute bei Anlässen wie dem Ekhof-Festival im Sommer bespielt.

Hier endet mein Rundgang durch die barocken Räume im Schloss Friedenstein Gotha. Falls euch der Beitrag gefallen hat, gebt gerne ein Like oder hinterlasst einen Kommentar weiter unten.
Wenn ihr auf die folgenden Links in meinem Blog klickt, könnt ihr noch weitere Schlösser in Thüringen erkunden:
Residenzschloss Sondershausen
Schloss Altenburg
Schloss Weimar

Bonus zum Beitrag: Die Kunstkammer

Zum Abschluss eures Besuches solltet ihr noch einen Blick in die Kunstkammer werfen, die in den Erbprinzengemächern am Westvorsaal untergebracht ist. Denn es lohnt sich! Zu den Highlights der einzigartigen Schätze, die in modernen Vitrinen ausgestellt sind, zählen ein kostbarer Elefant aus der Werkstatt des sächsischen Hofjuweliers Johann Melchior Dinglinger und diverse Nautilusse. Werft auch einen Blick an die Decken, die sich im Original erhalten haben oder auf den schwarz-weißen Alabasterfußboden im Eckzimmer.

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